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3. Der Hinflug

  • Autorenbild: Admin
    Admin
  • 7. Juli
  • 6 Min. Lesezeit

Es ist der 10. August und das Wetter zeigt sich mit Sonnenschein und knapp 25 °C von seiner besten Seite. Der erste Flug geht um 19:35 Uhr von Hamburg nach Kopenhagen.

Gegen 16:00 Uhr lade ich meinen Rucksack ins Auto. Zirka 20 Minuten später lässt meine Frau den Motor an und wir fahren los. Im Normalfall ist es von zu Hause nicht weit. Etwa eine halbe Stunde mit dem Auto. Hamburgs Straßen sind allerdings unberechenbar und man muss jeden Tag mit Staus rechnen. An diesem Tag ist aber alles normal und so kommen wir frühzeitig am Flughafen an. Jetzt haben wir noch knapp 10 Minuten (danach werden unverschämt teure Parkgebühren fällig), um uns zu verabschieden. Diese Zeit nutzen wir voll aus. Dann steigt sie ins Auto und fährt davon.                                                                              

Nun stehe ich am Terminal und das Reiseabenteuer beginnt. Als Erstes muss ich erst einmal den Rucksack loswerden. Da ich frühzeitig hier angekommen bin, kann ich mich ganz in Ruhe umsehen und den Gepäckschalter suchen und warten bis dieser öffnet. Ich suche mir einen Platz und beobachte das geschäftige und hektische Treiben, was mir die Wartezeit verkürzt.

Der Check In Schalter öffnet um 18:00 Uhr. Die Schlange ist nicht sehr lang und ich stelle mich an. Ein paar Minuten später habe ich eingecheckt und werde zum Sperrgutschalter um die Ecke geschickt, um meinen Rucksack abzugeben. Ich lege ihn dort auf das Band zum Durchleuchten und bekomme den Rucksack mit der Frage, ob da Akkus drin wären, zurück. Die gehören ins Handgepäck wurde mir offenbart. Das wusste ich nicht! Und natürlich habe ich die Akkus überall in die Lücken und ganz weit nach unten in den Rucksack gestopft. Das, und der wenige Platz im Handgepäck machten das Umverteilen zu einer kleinen Herausforderung.                 

Als dann der Rucksack im Bauch des Flughafens verschwunden war, machte ich mich mit dem durch die ganzen Akkus nun deutlich schwereren Handgepäck auf den Weg zum Terminal.                                                

Jetzt nur noch durch die Sicherheitskontrolle und dann warten auf das Boarding. 

So einfach wie ich dachte, ist es aber doch nicht. Meine Erscheinung mit derben Boots, Cargohose incl. Holzfällerhemd und oben drauf noch ein militärisch anmutender Slingpack mit Mollesystem hat die Aufmerksamkeit des Sicherheitspersonals erregt. Und so werde ich aus der Reihe gerufen und bekomme noch eine Zoll-Sonderbehandlung bevor ich zum Gate weiter gehen darf.

Ich glaube, die Jungs und Mädels machen einen guten Job, auch wenn es manchmal etwas anstrengend ist. Gut, dass es sie gibt!

Pünktlich sitze ich im Flieger, eine ATR72 mit ca. 70 Sitzplätzen. Bin gespannt, wie sich das anfühlt in so einer kleinen Maschine zu fliegen.

Der Flug ist sehr ruhig verlaufen und bot einen fantastischen Blick bei strahlendem Sonnenschein auf den Fehmarnbelt und die dänische Küstenlandschaft.

Die Landung in Kopenhagen ist weich wie Butter in der Sonne. Die Erste von drei Flugetappen ist geschafft.

Es ist schön, dass ich mich jetzt nicht um das Gepäck kümmern muss. So kann ich ganz in Ruhe das Gate für den Weiterflug nach Stockholm suchen. Dabei fällt mir sofort auf, dass es hier deutlich weniger hektisch und freundlicher als in Hamburg zugeht.

Das Gate ist gefunden und beim Sicherheitscheck bekomme ich wieder eine Zoll-Sonderbehandlung. Körperscan, Drogenscan Schuhe aus, Handgepäck auspacken…das volle Programm.

Von Kopenhagen nach Stockholm geht es dann mit einer A320 weiter. Mit jedem Flugkilometer ändert sich die Landschaft. Es werden immer weniger Felder und Ortschaften, dafür aber immer mehr Wald. Der Anblick der Scherenlanschaft und der Ostsee ist atemberaubend.

Der Flug dauert eine gute Stunde, bevor die Räder des Airbus in Stockholm Arlanda auf dem Runway aufsetzen.

Angekommen muss ich hier mein Gepäck wieder aufnehmen, da es nun mit einer anderen Fluggesellschaft weiter geht und ich daher später das Gepäck neu aufgeben muss.

Vorerst muss ich aber acht Stunden überbrücken, bevor es weiter nach Arvidsjaur, einem viereinhalbtausend Seelen Städtchen im Süden Lapplands, geht. Ich lasse mir Zeit und erkunde den Flughafen. Er ist der drittgrößte Flughafen Skandinaviens, gemessen an den Fluggästen, mit über 170 Flugzielen weltweit.                         

Während der Erkundungstour orientiere ich mich und suche gleich das Gate für den Weiterflug am nächsten Morgen.

Acht Stunden können sehr lang werden und irgendwann ist auch der größte Flughafen klein. Ich gehe gemütlich zum Gate und suche mir eine Bank, wo ich etwas schlafen kann. Viel bekomme ich nicht davon, denn es ist sehr unbequem. Ich nicke aber immer wieder ein, was mir hilft die Wartezeit zu verkürzen.

Die Dämmerung beginnt. Es ist nicht mehr lange bis zur Weiterreise. Ich nehme einen kleinen Snack zu mir und trinke etwas Wasser. Die trockene Flughafenluft macht das nötig.

In weiser Voraussicht habe ich meine Waschtasche in das Handgepäck gesteckt. Das nutze ich jetzt und mache mich auf der Flughafentoilette etwas frisch und putze mir die Zähne. So starte ich erfrischt und frohen Mutes in den Tag. Bis zum Check -In ist es nun laut Anzeige nur noch eine halbe Stunde. Die ersten Reisegäste treffen auch schon ein und ich reihe mich in die Warteschlange ein.

Das Gepäck ist aufgegeben und es geht zur Sicherheitskontrolle. Und wie kann es auch anders sein? Auch hier werde ich nach dem Durchleuchten meines Handgepäcks zur Seite gebeten. Ich hatte es irgendwie schon geahnt. Wieder das volle Programm. Zum dritten Mal! Die Frage nach spitzen Gegenständen in meinem Handgepäck verwundert mich, bis mir einfällt, dass ich eine Pinzette eingesteckt habe. Meine Erklärung diese zu benötigen, weil ich zwei Wochen im Wald unterwegs bin und mir dort möglicherweise die ein oder andere Zecke einfange und die Pinzette brauche, um diese zu entfernen, genügte dem Zollbeamten und ich durfte sie wieder einpacken. Der Zollbeamte fragt mich allen Ernstes, ob ich dem Militär, oder einer Spezialeinheit angehöre. Das konnte ich natürlich verneinen. Schon erstaunlich was das Erscheinungsbild für Fragen auslöst. Ich glaube auch nicht, dass Spezialkräfte im Wanderoutfit durch die Welt reisen werden, sondern eher unauffällig. Naja, der Beamte wünschte mir am Ende einen schönen Aufenthalt und ich durfte weiter zum Gate.

Nach kurzer Wartezeit steigen wir in einen Bus und werden zur Fokker 50 gebracht,      die abflugbereit auf dem Rollfeld steht. Eine kleine Maschine, die ihre besten Tage schon gesehen hat. Nur 17 Fluggäste von 52 möglichen steigen in den Flieger ein.

Wir fliegen los. Noch ein kleiner Zwischenstopp zum Auftanken in Vilhelmina auf dem South Lappland Airport. Einem Provinzflugplatz zwischen Arvidsjaur und Stockholm. Ein Runway, mehrere Schuppen und das kleine Terminal. Mehr gibt es dort nicht. Nach einer halben Stunde und sieben Passagieren weniger geht der Flug weiter.

Die Landschaft unter uns ist traumhaft. Genau wie ich sie mir vorgestellt habe. Endlose Wälder, unterbrochen von Flüssen, Seen und Sümpfen.

In Arvidsjaur gelandet, empfängt mich Lappland mit strahlendem Sonnenschein und unglaublich frischer klarer Luft.

Die Gepäckausgabe geht sehr schnell. Es sind ja inklusive mir auch nur 10 Passagiere. Mit dem Flughafenpersonal zusammen kann ich nur 16 Menschen auf dem gesamten Flughafen ausmachen.

Ich hatte von Hamburg aus einen Transferbus zum Zielort gebucht, auf den ich nun warte. Nach einer halben Stunde, alle waren bereits weg, warte ich immer noch. So langsam ahne ich, dass bei der Buchung etwas schiefgelaufen sein könnte.             

Aber ich hatte doch eine Bestätigung bekommen? Nach einer weiteren halben Stunde bin ich zum Infoschalter, der glücklicherweise noch besetzt war, obwohl keine weitere Maschine gelandet ist. Mit Händen und Füßen und gebrochenem Englisch versuche ich meine Lage zu erklären und finde Gehör. Mein Glück ist es, dass ich die Bestätigung, die ich per E-Mail bekommen habe, vorzeigen konnte. Die Damen erklären mir, dass die Buchung nicht funktioniert hat. Sie kümmern sich rührend und sind sehr bemüht das Problem zu lösen. Sie organisieren mir letztendlich einen Fahrer der mich dann ersatzweise für den Transferbus zum Zielort bringt. Auf Kulanz, weil sie mich einfach vergessen hatten. Sind nett die Schweden!

Ich warte wieder, auf das Taxi. Die netten drei Schwedinnen vom Infoschalter verlassen nun auch mit zwei weiteren Mitarbeitern den Flughafen und fahren mit ihren Autos davon. Wenn das Taxi nun nicht kommt, habe ich niemanden mehr den ich ansprechen könnte. Der Flughafen war menschenleer. Jetzt fehlt nur noch der vorbeirollende Busch, wie man sie im Western gerne mal sieht.

Nach einer weiteren halben Stunde höre ich in der Ferne ein Auto. Es kommt auf der weit einsehbaren Zufahrtsstraße, die in der Ferne im Wald verschwindet, herangebraust. Auch der Taxifahrer ist sehr nett. Wir haben uns auf der 50-minütigen Fahrt über alles Mögliche unterhalten, während wir an jeder Menge Rentieren, die an der Straße entlanglaufen, vorbeifuhren. Er erklärt mir, dass die Rentiere das mögen, weil hier anders wie im Wald weniger Mücken unterwegs sind. Das liegt an dem leichten Wind der meistens über die Straße weht. Das mögen die Mücken nicht.                     

Mein Englisch ist schlechter als seins, aber wir haben uns dennoch verstanden. Irgendwann hat aber jede Reise ein Ende und ich bin am Ziel. Ich bedanke mich bei Björn, dem Taxifahrer, für die kurzweilige, knapp einstündige Fahrt.

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