4. Bei Micha angekommen
- Admin
- 8. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Juli
Ok. ich bin da. Ich gehe die geschotterte Auffahrt hoch. Links das Wohnhaus, natürlich im skandinavischen Stil, schlicht und einfach, ohne Schnörkel und rechts eine Blockhütte für Gäste. Auf dem angrenzenden Hof entdecke ich eine große Schwitzhütte und eine Scheune mit angebautem Unterstand und reichlich Holz darin. Die Winter werden kalt in Lappland.
Der ganze Hof sieht nach Arbeit aus. Was sicher an den zahlreichen Projekten und Tätigkeiten liegt, die man hier oben tun muss und in Michas Fall tun möchte. Hier sind es Feuer, Holz und Menschen.
Das Feuer steht hier für die Schmiede und das Holz für Hüttenbau. Die Menschen kommen hierher, um diese Fähigkeiten zu erlernen, oder zu vertiefen. Einige dieser Menschen lerne ich gleich kennen. Allesamt sehr aufgeschlossen und nett und alle haben folgendes gemein. Sie stehen für Einfachheit, Handwerk und Autentizität. Sie nehmen dich wie du bist in ihre Welt auf (sofern man auch offen und aufgeschlossen ist).
Ich könnte hier Wochen verbringen um Schmieden zu lernen, oder Blockhütten zu bauen. Aber deshalb bin ich nicht hier. Das sind die anderen Menschen, ebenso offen und aufgeschlossen wie ich sind, die delhalb hierherkommen. Sie suchen Ruhe und Abgeschiedenheit vom Alltag. Das ist es, warum ich hierhergekommen bin. Genau für diese Menschen, also auch für mich, hat der Micha zahlreiche Möglichkeiten geschaffen. Verschiedenste Hütten, Zelte, Wohnwagen stehen auf dem weitläufigen Gelände und laden zum Verweilen ein.
Jedes mehr oder weniger versteckt zwischen Fichten, Kiefern und Birken. Allen steht eine urige Außenküche mit offener Feuerstelle zur Verfügung.
Für besonders Mutige entdecke ich eine alte Badewanne mit Holzbefeuerung, natürlich im Lapplandstyle selbst zusammen gewerkelt, zur Verfügung. Das stelle ich mir im Lappländischen Winter sehr, naja sagen wir mal, interessant vor.
Ich habe mich bei der Auswahl an Hütten, Zelten und Wohnwagen für eine Hütte entschieden, die nur zu Fuß zu erreichen ist. Mehrere Kilometer mitten im lappländischen Nirgendwo. Keine Straße, kein Weg, noch nicht einmal ein Trampelpfad. Und am wichtigsten für mich bei dieser Reise, keine Menschen!
Während ich auf Micha warte, um den Schlüssel und die Wegbeschreibung zur Hütte zu bekommen, schaue ich mich noch ein wenig um. Der Hof liegt zwar an einer größeren Straße, aber das ist nicht mit Deutschland zu vergleichen. Wenn hier mal alle fünf bis zehn Minuten ein Auto vorbei fährt ist sozusagen schon Rush Hour. Es ist hier wirklich sehr ruhig. Ein kleiner Pfad führt wenige hundert Meter vom Hof aus zu einer dieser von Micha liebevoll gebauten Hütten. Sie steht auf einer kleinen Anhöhe und bietet einen fantastischen Blich ins lappländische Nirgendwo. Hier verweile ich ein wenig und sauge die Atmosphäre auf wie ein trockener Schwamm und vergesse ein wenig die Zeit.
Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich schon eine Stunde lang in die Ferne schaue und die einzigartige Athmosphäre genieße.
Ich sollte langsam zum Hof zurückzukehren, denn ich habe ja noch einen weiten
Fußmarsch vor mir. Hoffentlich ist Micha schon da. Und tatsächlich, er ist da. Es ist schon später Nachmittag und der Weg noch weit.
Eine sehr herzliche Begrüßung folgt und wir setzen uns noch einen Augenblick in die Outdoorküche und lernen uns bei einer Tasse Kaffee etwas näher kennen. Es bleibt aber nicht mehr viel Zeit und ich bekomme die Schlüssel und die Wegbeschreibung als Handskizze, die man nur verstehen kann, wenn man bei deren Anfertigung dabei war. Ich lasse mir sicherheitshalber noch die Koordinaten geben, damit ich auch wirklich ankomme und mich nicht verlaufe.
Ich steige in den PickUp und dann geht es auch schon los. Jetzt sind es noch zwanzig Minuten mit dem Auto zum Ausgangs-und Abholpunkt. Micha setzt mich ab, wir machen für die Abholung in knapp zwei Wochen noch eine ungefähre Uhrzeit aus und dann fährt er auch schon davon. Das Motorengeräusch seines Trucks verliert sich schnell in der Ferne und es ist Stille. So stehe ich nun allein im Nirgendwo von Lappland. Aufregend und respekteinflößend zugleich. Ich habe so etwas ja noch nie gemacht. Trotzdem genieße ich noch für einen Moment die Stille bevor ich losstapfe ohne zu wissen, was mich erwartet.

Kommentare